Von diesem roten Backsteingebäude brach die Hong Kong Fire Brigade (HKFB) von 1920 bis 1971 zu ihren Einsätzen auf.
Damals unterstützten 174 passive Mitglieder die mutigen 30 Feuerwehrmänner und den Brandmeister,
die sicherlich gegen einige Brände im Hafen anzukämpfen hatten.
Monthly Archives: Oktober 2015
Kowloon
Kowloon erstreckt sich auf dem Festland über eine Fläche von 46,9 km².
Seinen Namen erhielt es der Legende nach vom letzten Kaiser der Südlichen Song Dynastie. Als dieser auf seiner Flucht die Berge erblickte sagte er: „Ich sehe acht Drachen.“ woraufhin einer seiner verbliebenen Mandarine erwiderte: „Ich sehe neun Drachen.“, denn das Fabelwesen ist in der chinesischen Kultur das Symbol für den Kaiser. Auch nachdem das Land 1860 unter der Qing Dynasty an Großbritannien abgetreten wurde, blieb “neun Drachen” lange Zeit nahezu unberührt, wurde es von den Briten lediglich als Jagdrevier auf Tiger genutzt. Mit einer mehr als 10 fachen Einwohnerdichte als Berlin kann man sich das heute kaum noch vorstellen. Die Hauptgruppe der Bevölkerung bilden mit 94.2% die Chinesen.
Aber auch Indonesier, Filipinos, Inder, Nepalesen und Weiße leben, arbeiten und “shoppen” hier.
Das kommerzielles Zentrum ist die zentrale Nathan Road, welche als erste Straße bereits im Jahr 1861 entstand. Dort befindet sich in der Chungking Mansions auch unsere Unterkunft.
Auf 17 Etagen wohnen um die 4.000 Menschen aus mehr als 120 Ländern, was den “alles-in-einem-Komplex” zu einem postmodernen Casablanca mit indischen Essensständen, chinesischen Uhrenläden und vielen weiteren Shops in den unteren Etagen macht.
Um dem Trubel zu entfliehen brauchen wir nur wenige Meter zum Kowloon Park zu gehen,
in dem sich selbst die Flamingos zwischen den Wolkenkratzern wohl fühlen.
Direkt daran steht die große Kowloon Masjid mit seinen 11 m hohen Minaretten.
Nicht weit entfernt befindet sich die Saint Andrew’s Church, die mit ihren fast 110 Jahren die älteste anglikanische Kirche Hong Kongs ist.
Biegt man nur zwei Ecken von der pulsierenden Nathan Road ab, wird es wieder ruhiger um einen herum.
Hier finden wir neben den bekannten amerikanischen Schnellrestaurants auch regionale Speisen
und Getränke.
Traditionelle Apotheken bieten getrocknete Seepferdchen an;
direkt daneben führt ein schmaler Gang zu einem Restaurant.
Wer noch liquide ist, der sucht sich ein Café im Heritage 1881.
oder geht in der chicen Harbour City direkt am Victoria Hafen auf Einkaufstour. Hier an der Promenade von Tsim Sha Tsui befindet sich neben Museen, dem Kulturzentrum sowie dem Uhrturm,
auch der Pier der Passagierfähre “Star Ferry”, die seit 1888 alle paar Minuten nach Wan Chai und Central auf Hong Kong Island ablegt.
Allabendlich bringt die Skyline von Hong Kong Hunderte zum Staunen, die zur “Symphony of Light” Lichtershow an die Promenade auf dem Festland kommen.
Kowloons Silhouette ist im Gegensatz zu Hong Kongs eher niedrig, da sich bis 1998 der Internationale Flughafen hier befand, den die Luftschiffe gefahrlos ohne Slalom anfliegen sollten. Was hier vor uns entlang “fliegt” ist nicht der Rote Pirat sondern eine chinesische Dschunke, die ihren Ursprung bereits in der Song Dynasty (960–1279) hatte.
Von Nanning über Guangzhou nach Kowloon
Nach nur einem “One Night Stand” fahren wir frühmorgens mit öffentlichen Bussen zum neuen Bahnhof, von dem die Hochgeschwindigkeitszüge abfahren. Um ersteinmal in den östlichen Stadtteil, welcher noch im Bau ist, zu gelangen benötigen wir fast eine Stunde. Rund um dieses Schienendrehkreuz entstehen neue Häuser und Straßen in einer Dimension, die wir in Deutschland noch nicht gesehen haben. Auf vierundzwanzig Gleisen stehen die Züge bereit, um durch China zu brausen.
Mit über zweihundert km/h düsen wir durch Nutzwälder, Reis-, Zuckerrohr- und Maniokfelder Richtung Guangzhou. Gegenüber den Reisegeschwindigkeiten, die wir bis jetzt gewohnt sind, ist es fast schon so, als ob wir fliegen würden.
Kein Wunder, dass sich das Wetter und auch die Landschaft stetig ändern. Geht es erst noch durch eine ländliche Gegend mit Feldern und Hügeln im Hintergrund
so fahren wir kurze Zeit später wieder durch graue Städte mit großen Neubausiedlungen. Bei diesem Haus scheint der Beton noch ein wenig zu frisch gewesen zu sein.
Je näher wir Guangzhou kommen, desto mehr wechseln sich jedoch die Felder
mit Wohnansiedlungen und Fabriken ab, denn die Region im Bereich des Perlflußdeltas hat sich zu einer der größten zusammenhängenden Stadtlandschaften entwickelt.
Guangzhou hat 11,5 Millionen Einwohner, drei Bahnhöfe
sowie eine gut organisierte und sogar englisch beschilderte Metro mit mehreren Linien. Wenngleich wir von der Stadt nicht viel sehen, so wird uns während der fast 45 minütigen U-Bahn Fahrt vom Süd- zum Ostbahnhof die Dimension Kantons bewusst.
Von dort nehmen wir den Zug nach Kowloon. Durch den Sonderstatus, den Hong Kong nach dem Ende der britischen Verwaltungszeit am 1. Juli 1997 weiterhin hat, reisen wir hier nach noch nicht mal zwei Tagen schon wieder offiziell aus China aus. Was übrigens ganz wichtig beim Beantragen unserer Visa war, denn in den Formularen wird nach der Anzahl der Einreisen gefragt, zu denen man entsprechend zur Kasse gebeten wird.
Auf unserer Fahrt kommen wir noch durch Shenzhen, die mit 12,5 Millionen Einwohnern größte Stadt im Perlflußdelta.
Um halb sechs erreichen wir endlich Kowloon, Hong Kongs Stadtteil auf dem Festland. Erschöpft und hungrig steigen wir noch einmal in die Metro, um unsere Kräfte für die Zimmersuche zu sparen.
Willkommen im Reich der Mitte
Mit dem Bus schleichen wir durch die Rushhour zum internationalen Bahnhof Hanois. Das “international” bezieht sich dabei lediglich auf einen täglichen Zug Richtung China. Dementsprechend groß ist der Bahnhof Ga Gia Lam, an dem wir fast vorbei laufen.
Um 21.40 Uhr verlassen wir die schmale Meterspur Südostasiens und steigen in das Schlafabteil der 43 cm breiteren chinesischen Staatsbahn ein.
Gerade eingeschlafen heißt es auch schon wieder aufstehen und mit Hab und Gut aussteigen, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen.
Nach sechzig Minuten sind alle dreißig Pässe abgestempelt und wieder verteilt, so dass es weiter gehen kann.
Zwei Stunden später weckt uns der Schaffner an der chinesischen Grenze, wo wir uns von Svens treuen Opinel Taschenmesser verabschieden, als die chinesischen Grenzkontrolleure bei der Gepäckdurchsuchung das Obstmesser konfiszieren. Zurück im Abteil legen wir uns noch mal eine Runde aufs Ohr, um halbwegs munter bei Sonnenaufgang die Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft genießen zu können.
Bewaldete Berge wechseln sich im Morgennebel mit Bananenplantagen, Reis- und Gemüsefeldern ab.
Am späten Vormittag erreichen wir die 6,5 Millionen Einwohner Großstadt Nanning, in dessen Innenstadt noch fleißig an der neuen Metro gebaut wird, die im kommenden Jahr eröffnet werden soll.
So imposant das Stadtbild mit den neuen Hochhäuser auch ist, biegt man um zwei Häuserecken so findet man sich im “alten” China mit fliegenden Gemüsehändlerinnen
und kleinen Gassen wieder.
Die Kommunikation und das Zurechtfinden ist nicht so einfach, denn lateinische Schrift gibt es fast gar nicht mehr und englisch sprechen nur wenige.
Endlich im Hotel angekommen und mit dem WLAN verbunden kommunizieren wir via Übersetzungsprogramm auf den Smartphones. Auch wenn dabei manchmal lustige Ergebnisse herauskommen, mit einzelnen Worten oder kurzen Sätzen klappt es doch ganz gut. Leider scheinen die Google-Anwendungen, einige Apps und auch unser Blog in China nicht einwandfrei zu funktionieren.
Kaum angekommen geht es auch schon auf die Suche nach einem Markt, wo wir neben Nudeln und Obst auch ein neues Obstmesser erstehen. Interessant finden wir diese langen Wurzeln,
die frischen Pilze
und natürlich die herrlich aromatischen Stände mit den Gewürzen.
Bei den Ziegenköpfen macht sich der Schlachter nicht viel Arbeit und verkauft sie gleich so wie sie von der Weide gekommen sind.
Doch verhungern müssen wir auch hier nicht, denn neben unzähligen kleinen Restaurants sind mobile Küchen unterwegs, die auch vegetarische Snacks im Angebot haben.
Während wir in den letzten Ländern die VWs meistens an einer Hand abzählen konnten, fühlen wir uns in Nanning fast schon wie in Wolfsburg, wo selbst die meisten Taxen Santanas sind.
Trotz der ständig steigenden Autoverkäufe dominieren die Mopeds noch das Straßenbild. Doch zu unserer Überraschung ist es erstaunlich leise, denn die Zweiräder werden ausschließlich elektrisch angetrieben. Da haben Lärm- und Abgasbelastung fast schon die Qualität eines Lufterholungsgebietes. 😉
Lotus Water Puppet
Einzigartig ist das Wasserpuppentheater (Múa Rối Nước), welches man nur in Vietnam findet. Das Kunsthandwerk ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil im kulturellen Leben des Landes. Diese Tradition wird innerhalb der Familie von den Alten an die Jungen weitergegeben, nur sehr wenige Aussenstehende werden nach einer Aufnahmeprüfung in die Geheimnisse eingeweiht. Einst diente der Dorfteich oder ein See als Vorstellungsbühne, heute finden die Vorführungen in Theatern statt und in solch einem lassen wir uns von feuerspeienden
und wasserspuckenden Drachen begeistern.
Begleitet von einem Orchester,
welches sich zu beiden Seiten neben der Bühne befindet,
stehen hinter einem Vorhang aus geflochtenem Bambus die Akteure.
Sie bewegen unter der Wasseroberfläche 3 bis 4 m lange Stangen, auf denen die 30 cm bis 1 m großen hölzernen Darsteller montiert sind. Durch Seilzüge erwachen die bis zu 5 kg schweren Puppen zum Leben.
Neben einem Phönix- sowie Feentanz wohnen wir unter anderem der täglichen Arbeit der Reisbauern bei.
Direkt am Ufer des Hoàn Kiếm Sees gelegen, darf natürlich nicht die Legende des nach ihm benannten Schwertes fehlen. Sie erzählt davon, wie dem einstigen Fischer und nun König Le Loi nach der Vertreibung der Chinesen im 15. Jahrhundert bei einer Bootsfahrt das Schwert von der goldenen Schildkröte entrissen wird, um es den Göttern zurückzubringen.
Vietnamesisches Frühstücksangebot
Wer morgens mal kein Phô löffeln möchte, für den bieten sich auch belegte Baguettes, Rice Porridge oder frittierter Tofu mit gepressten, in Stücke geschnittenen, Reisnudeln an.
Dazu werden frische Kräuter und eine Essigmischung zum Eintauchen gereicht.
Ähnlich ist dieses Gericht aus einem großen kalten Reismehl Crêpes, der gefaltet und zerschnitten mit Röstzwiebeln verzehrt wird.
Ethnologisches Museum
In Vietnam leben 54 ethnische Gruppen, von denen die Viet (Khin) mit mehr als 86 Prozent den größten Anteil an der Bevölkerung stellen. Im ethnologischen Museum Hanois werden Handwerk, Kunst, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände, Häuser und vieles mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Ausstellungen befassen sich nicht nur mit der Ethnologie Vietnams. In der großen Südostasien-Halle werden Kunsthandwerk, Kleidung, spirituelle Gegenstände und Musikinstrumente aus ganz Asien gezeigt.
Auf dem Aussengelände können wir das tägliche Leben der verschiedenen Völker erleben. Die Originalhäuser einiger ethnischer Gruppen wurden von Handwerkern aus den entsprechenden Dörfern aufgebaut und eingerichtet. Die Häuser der Cham, den Begründern des von Indien beeinflussten Champa Königreichs, verfügen sogar über ein zweischichtiges Dach. Unter den Schindeln, die den Regen abhalten, befindet sich ein Lehmdach gegen die Hitze des Tages.
Jeder Raum ist bestimmten Familienmitgliedern und Aufgaben zugeteilt. So ist zum Beispiel die älteste Tochter für das Weben und Nähen zuständig.
Das Volk ist aber auch bekannt für seine Töpferarbeiten, dem Handel und seinem ausgeklügelten Bewässerungssystem.
Schon vor über hundert Jahren gab es für den Bau eine Viet-Hauses etliche Vorschriften. So durfte zum Beispiel kein Gebäude des Dorfes höher sein als das Gemeinschaftshaus, was aber auch der Sicherheit in Taifungebieten entgegen kam.
Das Haus wurde aus Originalteilen wieder aufgebaut, sodass die Holzschnitzereien und auch der Altar etwa hundert Jahre alt sind.
Wie auch in Deutschland weit verbreitet wurden Haupt- und Nebengebäude in U-Form aufgebaut. Das mit Ziegelschindeln bedeckte Dach hat einen großen Überstand. So sind die Türen im Haupthaus vor dem Regen geschützt.
Das Wohnhaus der Ede ist zweiundvierzig Meter lang und wurde von Großfamilien bewohnt.
Das Haus wurde bei den Ede nicht, wie meistens üblich den Söhnen vererbt, sondern der ältesten Tochter übergeben. In den Innenraum gelangt man über Treppen, die aus ganzen Baumstämmen gefertigt sind.
Mit einer Höhe von neunzehn Metern überragt das Gemeindehaus der Bahnar die Hütten und Häuser in der Nachbarschaft. Getragen wird es von acht baumdicken Pfosten mit einem Durchmesser von sechzig Zentimetern.
Die eindrucksvolle Dachkonstruktion ist ein Symbol für das Können und die Stärke der Dorfgemeinschaft und zeigt die Kraft der Männer des Ortes.
Das Haus wurde von zweiundvierzig Angehörigen der Bahnar-Gruppe aufgebaut und eingerichtet.
Zu der Ausstellung gehören auch zwei Grabhäuser. Das der Gia Lai ist mit zahlreichen Holzfiguren dekoriert, die die Fruchtbarkeit symbolisieren. Für das Leben danach werden den bis zu 30 Ahnen zerbrochenes Geschirr und Krüge mit in das neue Heim gestellt.
Das kleine Grabhaus für die zweite Beerdigung der wohlhabenden Katu ist unter anderem mit Wasserbüffeln, Drachen, Fröschen, Fische und Hähnen verziert.
Wände und Fußboden beim Pfahlhaus der Tay sind luftig aus Bambusgeflecht hergestellt, welches zuvor wie auch das Bauholz bis zu sechs Monate in Wasser eingeweicht wurde, womit das Material gegen Holzwurmbefall geschützt wird. Gedeckt wird das Dach von 6000 Palmblättern.
Trotzdem befindet sich die Kochstelle im Inneren des Gebäudes.
Das besondere an den Häusern der stark vom Taoismus und Konfuzius beeinflussten Yao-Gruppe ist die Dachkonstruktion, die nach fünf bis sechs Jahren erneuert werden muss.
Sie besteht aus halbierten Bambusästen, die wie die Dachschindeln im Mittelmeerraum, ineinander verlegt sind und so das Haus trocken halten.
Einen anderen Regenschutz haben die Hmong konstruiert. Dieses Dach besteht aus 600 Pomuholz Schindeln, mit je 1,2 m Länge und 40 cm Breite, die bei Bedarf zur Seite geschoben werden können, um Licht ins Innere zu lassen.
Bei den Hmong, die sich in schwarze, blaue, weiße und geblümte Hmong untergliedern lassen, finden sich praktische Einrichtungen wie ein Bett
und ein gemauerter Herd.
Das Volk der Hani lebt mit bis zu drei Generationen in diesen Stampflehmhäusern. Dieses Gebäude, mit seinen fünfundvierzig Zentimeter dicken Wänden, besteht aus 150 Kubikmeter Lehm und 14 Kubikmeter Steine, welches sechs Arbeiter erbauten. Das circa 10 Tonnen schwere Strohdach ist 45 cm dick und bietet in Kombination mit den Wänden Schutz vor der Wärme und erzeugt dabei noch ein angenehmes Wohnklima.
Lehm dominiert auch im Innenraum, wie an Herd und Fußboden zu sehen ist.
Die Hauptausstellung ist der Kultur und Tradition der vietnamesischen Ethnien gewidmet, die sich in die fünf Sprachfamilien Austroasiatisch, Austronesisch, Tai-Kadai, Miao-Yao und Sino-Tibetisch aufteilen. Schautafeln zeigen Kleidung und Lebensweise der verschiedenen Völker, wie zum Beispiel den reisanbauenden Nùng, die im Gegensatz zu den sanskritlesenden Lao und Lu die chinesischen Schriftzeichen nutzen
und den Raglai.
Die Frauen der Lolo, die zur tibeto-burmesischen Sprachfamilie gehören, verzieren ihre Kleider mit bunten, fein zusammengenähten Stoffstücken.
Ganz gleich in welcher Völkergruppe, selbst die Kleinsten tragen aufwendig gearbeitete Kleidung.
Die Ausstellungsstücke zeigen Beispiele der Leinweberei, der Stofffärbung mit Indigo und Batikmusterung mit Bienenwachs.
Viel Aufwand wird auch für die Kopfbedeckung betrieben. An ihnen lässt sich bei den Frauen erkennen, ob sie verheiratet oder noch ledig sind.
Eine neu inszenierte Photoausstellung aus den 50ern dokumentiert das ehemalige Leben in den Dörfern.
In vielen Teilen Vietnams ist in den letzten dreissig Jahren ein Großteil der alten Kulturen und Traditionen verschwunden.
Straßenleben in Hà Nội
Kaum ist die Sonne über Hà Nội aufgegangen, wird es auch schon rege in den Straßen der Hauptstadt. Küchen mit Rice Porridge,
einer Art Reissuppe mit Fleischeinlage,
gekochten Eiern und Klebreisbratlinge (leider auch nicht vegan) schießen wie Pilze aus dem Boden.
Auch kleine
und größere Gemüse-
und Obsthändler suchen sich in den kühlen Stunden am Morgen ein Plätzchen zum Verkaufen, wenn sie denn nicht durch Polizeirazzien verscheucht werden.
Selbst heiße, frisch geröstete Maroni (Hạt Dẻ Nóng) und Erdnüsse finden wir im Straßengetümmel.
Als Transportmittel dienen oft umfunktionierte Drahtesel,
bei denen uns manchmal die Menge,
ein anderes mal das Angebot staunen lässt. Da hätten wir die Packung getrockneter päx Erdbeeren gar nicht bis Svens Geburtstag aufheben brauchen.
Auch Tragjoche sind ein ganz alltäglicher Anblick, wenn auch nicht unbedingt als mobile Lingerie.
Während einige Dienstleister mit ihrer Tasche geradezu überall arbeiten
beziehungsweise ihre Tabakwaren anbieten können,
haben sich die Friseure ihre Openair Salons liebevoll eingerichtet.
Andere Handwerker verbinden wiederum ihre Werkstatt mit einem kleinen Geschäft, sodass man direkt beim Produzenten einkauft,
während andere ihr breitgefächertes Sortiment von unterschiedlichen Herstellern beziehen.
Und zwischen all diesen Händlern und Geschäften, da lässt es sich das freilaufende Federvieh gut gehen.
Das Hồ Chí Minh Haus samt dem Regierungsviertel
Der 1900 bis 1906 erbaute Präsidentenpalast beherbergte einst die französische Regierung von Indochina.
Umsäumt von Mangobäumen in einem großflächigen Park gelegen, ist hier vom Straßenlärm nichts mehr zu hören.
Als 1954 die Unabhängigkeit ausgesprochen wurde, weigerte sich Hồ Chí Minh in die pompösen Räumlichkeiten einzuziehen und richtete sich stattdessen für die folgenden 4 Jahre in einem der dahinterliegenden Diensthäuser schlicht ein.
1958 zog er in das für ihn errichtete traditionell vietnamesische Holzhaus “Onkel Hos Stelzenhaus” (Nha San Bac Ho) um, in denen er in zwei schlichten Räumen ohne sanitäre Einrichtung bis zu seinem Tod im Jahre 1969 lebte und arbeitete.
Gegen seinen Willen liegt er heute nur wenige Meter entfernt im Mausoleum
mit Blick auf das heutige Regierungsgebäude.
Ebenfalls zum Komplex gehört der Botanische Garten
und die Einsäulenpagode (Chùa Một Cột), die einst vom König Lý Thái Tổ auf einem Holzpfahl errichtet wurde.
Dagegen fiel die tausend Jahre alte Pagode Mieu Hoi Dong unter den Franzosen bei den Bauarbeiten für den Regierungspalast zum Opfer. Welche Funktionen diese beiden Gebäude haben,
konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
Eindeutig ist dagegen das Nordtor der kaiserlichen Zitadelle von Thăng Long. Auf einer Fläche von 140 ha residierte der Kaiserhof mehrerer vietnamesischer Kaiser-Dynastien von 1010 bis 1802.
Hà Nội
Von Huế nach Hà Nội sind es noch einige Kilometer, die wir mit dem Nachtzug hinter uns legen wollen.
Das erste Stück der Strecke haben wir das Abteil sogar für uns alleine; erst um Mitternacht kommen noch zwei weitere Fahrgäste in die Sechser-Kabine.
Kurz vor dem Sonnenaufgang erreichen wir pünktlich nach Fahrplan den Hauptbahnhof von Hà Nội. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Zug von Saigon nach Hà Nội an die zwei Tage unterwegs ist.
Vor dem Bahnhof herrscht trotz der frühen Morgenstunde schon reges Treiben. Die Taxifahrer kennen natürlich die Fahrpläne in- und auswendig und wer wie wir gehen möchte, der muss sich erst mal durch eine Traube von Chauffeuren kämpfen, bevor es in die Stadt geht.
Hà Nội ist eine der dienstältesten Hauptstädte Asiens, die im Laufe der Geschichte häufig von verschiedenen Invasoren erobert und umbenannt wurde. Ihren heutigen Namen, der übersetzt “Stadt innerhalb der Flüsse” heißt, erhielt sie 1831. Hier erklärte Hồ Chí Minh die Unabhängigkeit Vietnams und Hà Nội wurde die Hauptstadt des Nortvietnam, was sie auch nach der Wiedervereinigung blieb. Die Einwohnerzahl der Metropolregion liegt etwa bei sieben Millionen und macht die Stadt damit zur zweitgrößten des Landes.
Der Bereich der Altstadt besteht aus zwei Teilen. Zum einen das Viertel Alt-Hà Nội mit seinen schmalen Gassen
und dicht bebauten Straßen aus der Zeit noch vor der Kolonialära.
In denen von Bäumen beschatteten Straßen
reihen sich die kleinen Läden aneinander.
Motorroller, Fahrräder, Rikschas und Fußgänger scheinen auf den ersten Blick unkoordiniert herumzuwuseln.
Dazwischen entdecken wir immer wieder kleine farbenfrohe Tempel,
die zwischen den Wohn- und Geschäftshäusern eingezwängt ganz und gar in das Alltagsleben integiert zu sein scheinen.
In Hà Nộis größter überdachter Markthalle aus dem Jahr 1889, dem Chợ Đồng Xuân,
gibt es gleich über drei Etagen Unmengen von Kleidung, Stoffen und Schuhen für Großhändler.
Unser kleines Hotel, mit gerade mal sieben Zimmern, liegt am Rande von Alt-Hà Nội. 20 m entfernt steht die 129 Jahre alte römisch katholische St. Joseph Kathedrale, deren Glocken alle 1/4 Stunde erklingen. Bei der Messe am Sonntag drängen sich hunderte von Gläubigen vor dem Gotteshaus, um der Predigt, den Kirchengesängen und dem Umzug beiwohnen zu können.
Einige Meter weiter befindet sich der Hoan-Kiem-See, in dessen Mitte der Schildkröten-Turm auf einer kleinen Insel steht. Der Sage nach erhielt hier der Fischer Le Loi von einer großen goldenen Schildkröte ein Zauberschwert, mit dem er die Truppen der Ming-Dynastie vernichtend schlagen konnte. Er ernannte das Tier zum Schutzgeist des Sees und ließ ihr zu Ehren den Turm erbauen.
Eine rote Brücke führt zu dem Jadeberg-Tempel, in dem eine 2,10 Meter lange und 250 Kilogramm schwere Schildkröte ausgestellt wird, die 1968 dort gefangen wurde.
Der See bildet die Grenze zum zweiten Bereich der Altstadt, dem französische Viertel. Dort ließen die Kolonialherren ihr Verwaltungszentrum für Französisch-Indochina entstehen.
Sie legten breite baumbestandene Alleen im rechtwinkligen Raster an, erbauten Luxusvillen, Regierungsbauten und öffentliche Gebäude wie die Oper
und das Wasserpuppen Theater.
In einigen der alten Häuser sind Shoppingmalls eingezogen,
die bei abendlicher Beleuchtung ein beliebter Photohintergrund für Hochzeitspaare sind.
An einem der Kaufhäuser begegnet uns gleich ein ganzes Dutzend frisch Vermählter.
Immer wieder sehen wir, dass bei den Schreinen
oder am Straßenrand Geldscheine verbrannt werden. Dies sind Opfergaben für die Verstorbenen, damit diese Geld im Leben nach dem Tod ausgeben oder die Wächter des Jenseits bestechen können, um auf die Erde zurück zu kehren. Die aus China stammende Tradition ist schon tausende Jahre alt und wird mittlerweile portemonnaieschonend mit Geld-Kopien durchgeführt.
Vielleicht spekulieren die Ahnen ja auch an der Börse,
die sich wie das historische Museum ebenfalls im französischen Viertel befindet.
Anstelle von Propaganda Plakaten schmücken Blumengestecke die Straßenzüge und Plätze.
Hier arbeiten die Mädchen ganz nach Plan daran
das Stadtwappen blumig darzustellen.
Hà Nội liegt am Ufer des Roten Flusses.
Die Idylle auf dem Plakat trügt leider etwas, denn die Realität sieht ernüchternder aus.
Der Rote Fluss ist berüchtigt für seine Hochwasser und wurde schon im elften Jahrhundert eingedeicht. Durch den starken Sedimenteintrag, der in den letzten Jahren stetig ansteigt, liegt der Flusslauf zwischen den Deichen an manchen Stellen mittlerweile höher als das umliegende Land.
Direkt am Lenin-Park liegt die chinesische Botschaft, wo wir unsere Visa-Anträge abgegeben haben.
In der Nachbarschaft befinden sich noch weitere Botschaften, unter anderem auch die Deutschlands,
die sich, wie die meisten anderen Konsulate auch, in einer alten Kolonialvilla befindet.
In der Hauptstadt verschmelzen die unterschiedlichen Epochen auch miteinander,
doch als wir mit dem Bus zur Bank fahren, um die Visa Gebühr für China zu begleichen, kommt es uns vor, als ob wir in einer ganz anderen Stadt wären.
Wenn es Nacht wird am Hoan-Kiem-See
und die Temperaturen etwas milder werden, dann erobern die Sportler und Jogger die Wege und Parks.
Auf den Straßen geht der Verkehr unterdessen munter weiter.